Die Tunnelröhren sind fast vollständig aufgefahren - und nun?

Der bergmännische Vortrieb im Karin-Tunnel ist inzwischen abgeschlossen und im Dorothée-Tunnel werden momentan noch die letzten Meter der Kalotte (obere Drittel des Tunnelquerschnitts) und der Sohle (Boden des Tunnels) abgetragen. Welche Arbeiten müssen zur Rohbau-Fertigstellung noch verrichtet werden?

Bereits während des bergmännischen Vortriebs hat eine Schale aus Spritzbeton die Tunnelröhre gesichert. Anschließend wird die endgültige, 40 cm starke Innenschale mit einer Bewehrung (Stahlstäbe und -matten) aus Beton gegossen. Diese Bewehrung wird geflochten und liegt direkt auf dem Grund des Tunnels auf. Eine Folie trennt die Innen- und Außenschale des Tunnels voneinander.

Ein so genannter Sohlschalwagen wird in den Tunnel gefahren. Er stellt einen zehn Meter langen Sohlblock her, indem Beton in die am Sohlschalwagen montierte Schalung gepumpt wird. Die Sohlblöcke sorgen für ein immer gleiches Raumbild im zukünftigen Fahrbahnbereich. In 24 Stunden entsteht ein Sohlblock.

Sohlschlawagen Betonage SüdröhreZu sehen ist der Sohlschalwagen, der dem Beton am Rand der Fahrbahn die Form vorgibt. Die weißen Stahlbalken des Sohlschalwagens dienen als Gussform für die Sohlblöcke. Im Vordergrund ist die Bewehrung der Sohle zu sehen, die mit Beton befüllt wird. Foto: Stadt Stuttgart

Anschließend wird der so genannte Gewölbebewehrungswagen in die Röhre gefahren, mit dem die Arbeiter die Bewehrung am Tunnel befestigen. Auch hier trennt eine Folie wieder die Außen- und Innenschale voneinander. Danach wird die Bewehrung durch eine Hebebühne am Schalwagen nach oben gehievt, wo Eisenflechter von den unterschiedlich hohen Stegen des Wagens aus die Bewehrung am Gewölbe befestigen.

Gewölbebewehungswagen in der SüdröhreDer Gewölbebewehrungswagen von dem aus die Eisenflechter die Bewehrung am Gewölbe anbringen. Foto: Stadt Stuttgart

Im nächsten Schritt wird die Innenschale betoniert. Auf dem Gewölbeschalwagen befinden sich große Stahltafeln, die gegen das Gewölbe und vorab befestigte Abstandshalter gedrückt werden. Der Hohlraum, der so entsteht, wird durch mehrere Öffnungen mit Beton gefüllt. Die Schalung aus Stahltafeln muss so lange stehen, bis der Beton ausreichend ausgehärtet ist. Erst dann kann er weiterziehen und der nächste Gewölbeblock kann hergestellt werden.

Gewöbleschalwagen am Portal SüdröhreDer Gewölbeschalwagen, mit dessen Stahltafeln die Innenschale des Tunnelgewölbes hergestellt wird. Foto: Stadt Stuttgart

Im Karin-Tunnel wird im Winter 2016 von der Südröhre in der Neckartalstraße her mit der Herstellung der ersten Gewölbeblöcke begonnen. Die Sohlblöcke sind hier bereits komplett fertig. Mit Beginn des neuen Jahres wird sich die Herstellung der Gewölbeblöcke dann ebenfalls auf einen 24 Stunden Rhythmus einspielen. Sobald die Innenschale der 750 Meter langen Südröhre komplett fertiggestellt ist, kommen die beiden Wägen im Dorothée-Tunnel zum Einsatz.